STUDIUM & PROMOTION

 

Mein wissenschaftlicher Werdegang begann an der Universität Hildesheim und führte mich bis an die Yale University. In Hildesheim studierte ich von 2004 bis 2007 den Studiengang „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“. Den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus wagend führten mich Studienabschnitte an die Universiteit Utrecht in den Niederlanden sowie an die  Universität der Künste in Berlin. Das Studium schloss ich als Diplom-Kulturwissenschaftler mit der Gesamtnote 1,2 ab. Meine Abschlussarbeit, die 2007 beim Maecenata Institut ihre Veröffentlichung fand, verfasste ich über „Stiftungen als Instrument staatlicher Kulturförderung am Beispiel Niedersachsen“.

Wenn das Credo der Hildesheimer Kulturwissenschaften auch „In den Künsten für die Künste“ lautet, so lag mein primäres Interesse auf dem Kulturmanagement, das ich im Anschluss an mein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München vertiefen konnte. Unter der Betreuung von Prof. Dr. Christopher Balme forschte ich ab Winter 2007 zum frei gewählten Thema „Qualitätsmanagement im Theater“. Im akademischen Jahr 2009/2010 war ich als Special Research Fellow am Department of Theater Management an der Yale School of Drama tätig. Nach meiner Rückkehr aus den USA schloss ich meine Dissertation ab. 2011 wurde ich an der LMU München mit dem Prädikat „magna cum laude“ promoviert. Meine Dissertation erschien ein Jahr später im VS Verlag unter dem Titel „Qualität im Theater. Anforderungssysteme im öffentlichen deutschen Theater und ihr Management“

 

 

WISSENSCHAFT & ANSPRUCH

 

Wissenschaftlich strebe ich eine Überwindung der reinen Appropriation von Theorien und Konzepten der Betriebswirtschaftslehre an. Werke, die Modelle der BWL am Beispiel von Kulturbetrieben durchdeklinieren, haben eine wesentliche Basis für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kulturmanagement gelegt, begründen aber keine eigenständige Disziplin. Diesem Strang gegenüber stehen Ansätze, die eine originäre Kulturmanagementforschung etablieren wollen und sich dabei oftmals auf die Systemtheorie beziehen. Diese Ansätze entfernen sich jedoch wiederum sehr stark von der für die Disziplin wichtigen Praxis des Kulturmanagements.

In meiner eigenen Forschung versuche ich daher, beide Ansätze zu verbinden: In meiner Dissertation „Qualität im Theater. Anforderungssysteme im öffentlichen deutschen Theater und ihr Management“ (2012) stelle ich mich der Frage der Anwendbarkeit von Methoden des Qualitätsmanagements, die ihren Ursprung zwar in der BWL haben, entwickele dann aber mit Bezug auf das systemische Denken einen eigenständigen Steuerungsansatz für das öffentliche Theater. Diesen „dritten Weg“ möchte ich in der Forschung zukünftig weiter verfolgen.

In dem Aufsatz „Die hohe Kunst des Vertrauens“ (2017) habe ich jüngst aufgezeigt, wie dieser dritte Weg fortgesetzt werden kann. In der dem Aufsatz zugrunde liegenden Studie hat sich gezeigt, dass Kulturmanagerinnen und Kulturmanager den Modus des Vertrauens jenem der Kontrolle vorziehen. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass die Forschung in den vergangenen Jahrzehnten jedoch vor allem immer neue Kontrollmechanismen für den Kulturbetrieb entwickelt hat. Praxisrelevanter und zugleich disziplinbegründend wäre ein Fokus auf die Entwicklung vertrauensbildender Maßnahmen und damit die Gründung einer Schule des Vertrauens". 

BERUFLICHER WERDEGANG

 

Nach meiner Promotion hatte ich in den vergangenen Jahren an verschiedenen renommierten Berliner Kultureinrichtungen unterschiedliche Leitungspositionen inne: Bis zum Frühjahr 2017 leitete ich die Abteilung Marketing und Kommunikation am Staatsballett Berlin. Zuvor habe ich am Konzerthaus Berlin als Leiter Fundraising den gleichnamigen Bereich aufgebaut sowie beim Internationalen Literaturfestival Berlin die Finanzen und das Sponsoring verantwortet. Zuletzt habe ich für die Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gewobag als Kaufmännischer Direktor das Urban Nation Museum in Berlin-Schöneberg aus der Taufe gehoben. Heute bin ich in Berlin als freier Kulturmanager und Kulturberater tätig.

Meine praktischen Erfahrungen erstrecken sich somit auf unterschiedliche künstlerische Sparten – Literatur, Musik, Tanz, Bildende Kunst –, auf die Funktionsbereiche Finanzierung, Fundraising und Kommunikation sowie auf die Rechtsformen Eigenbetrieb, Stiftung und Verein. In kurzer Zeit konnte ich so in unterschiedlichen Settings – vom kleinen Non-Profit der freien Szene bis zum großen Staatsbetrieb – vielfältige Einblicke und Erfahrungen in der Praxis des Kulturmanagements gewinnen. 

 

 

WEITERGABE VON WISSEN

 

Während meiner wissenschaftlichen Ausbildung wurde ich durch ein Stipendium der Stiftung der deutschen Wirtschaft unterstützt. Der Stiftung bin ich noch heute als Studien-Mentor in der Grundförderung sowie als Auswahl-Juror für die Promotionsförderung verbunden.

 

Mein Interesse an der Nachwuchsförderung zeigt sich des Weiteren in meinem Online-Blog „Hildesheim ist überall“, auf dem ich im Auftrag der Universität Hildesheim Absolventinnen und Absolventen der kulturwissenschaftlichen Studiengänge portraitiere und dadurch den aktuellen Studierenden eine Möglichkeit für eine erste berufliche Orientierung biete. An meiner Alma Mater, der Universität Hildesheim, war ich außerdem im Wintersemester 2017/2018 als Lehrbeauftragter am Institut für Kulturpolitik beschäftigt, wodurch ich mein Wissen unmittelbar an die nächste Generation von Kulturmanagerinnen und Kulturmanager weitergeben konnte.

 

Die regelmäßige Betreuung und Unterstützung von Studierenden ist mir aber auch im Beruf wichtig. So hat während meiner Tätigkeit am Staatsballett Berlin die von mir geführte Marketingabteilung jedes Semester mit der TH Wildau kooperiert und sich den dortigen Studierenden mit aktuellen Marketingherausforderungen als Praxis-Case zur Verfügung gestellt. Aber auch die Erwachsenenbildung ist mir ein Anliegen, denn für die Friedrich-Naumann-Stiftung bin ich seit einigen Jahren regelmäßig als Vortragsredner und Workshopleiter tätig.

 

Bei meinen Aktivitäten in Lehre und Vermittlung hat für mich die Rückbindung an die Praxis des Kulturmanagements eine besondere hohe Bedeutung. Neben Praxisbeispielen verwende ich in meinen Seminaren und Workshops gerne moderierte Case Studies. Darüber hinaus versuche ich stets, eine größtmögliche methodische und didaktische Vielfalt anzuwenden: Eine Kombination aus Case-Study- und Kreativarbeit, Lektüre und Vortrag, Gruppendiskussion und eigene Empirie – etwa im Rahmen von Blockseminaren – bietet  den Teilnehmenden individuelle und abwechslungsreiche Zugänge zum jeweiligen Thema und zeigt ihnen Möglichkeiten für eine eigenständige Vertiefung auf.

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