Kulturmanagement schafft Lösungen für Probleme. Denn Kulturmanagement ohne Lösungen ist reine Verwaltung. Sechs Fallstudien aus meiner Praxis als Kulturmanager aus Marketing, Fundraising und Vermittlung beweisen, wie mit klarer Strategie und kreativen Ideen auch komplex wirkende Herausforderungen souverän gemeistert werden können. Dann werden junge Blogger zu neuen Kulturkritikern, große Fans zu stolzen Botschaftern und Vereinsmitglieder zu "Membern".

 
 
 
 

 

DAS STAATSBALLETT

MAGAZIN

STORYTELLING

 

Viele Kultureinrichtungen stehen heute vor der Herausforderung, medial überhaupt noch stattzufinden. Das Staatsballett Berlin stand beim Amtsantritt von Nacho Duato zusätzlich vor dem Problem, dass die bisherige Berichterstattung überaus kritisch war. Mit dem neuen Staatsballett-Magazin" wurde ein eigenes Print-Medium ins Leben gerufen. Mit dem neuen Magazin gewann man die redaktionelle Hoheit zurück und konnte nun seine eigenen Geschichten erzählen. Dazu gehörten Interviews und Reportagen, Neuigkeiten aus der Compagnie, aber auch künstlerische und spielerische Auseinandersetzungen mit dem Thema Tanz. Die begrenzten Ressourcen führten zu einer Konzentration auf das Wesentliche. Ästhetischer Mut in Layout und Content heben das Magazin außerdem regelmäßig von anderen Zeitungsbeilagen ab. Die Beilage des Staatsballett-Magazins in Die Zeit" und Tagesspiegel" resultierte dabei auf Analysen der Befragungen des Ballettpublikums zur Mediennutzung.

> Zum Magazin (externer Link)

 

NEUE KRITIKER

BLOGGER RELATIONS

 

Die Fachkritik ließ von Anfang an kaum ein gutes Blatt an der Intendanz von Nacho Duato am Staatsballett Berlin. Nach seiner ersten Spielzeit waren eigentlich alle Inszenierungen bei der Presse durchgefallen. Auf die Nachfrage, warum denn ein Kritiker ein Stück bereits - ungesehen - vor der Premiere verrissen hatte, war die Antwort, es würde doch sowieso niemand mehr Tickets nur aufgrund einer Rezension in einem Stadtmagazin kaufen. Stimmt vielleicht! Heute findet man die relevanten Kulturtips vor allem auf Blogs im Internet. Es wurden daher ab 2015 systematisch Kontakte zu Kultur- und Lifestyle-Bloggern aufgebaut. Probebesuche, Führungen durch die Werkstätten und Meet-and-Greet-Möglicheiten mit den Tänzern boten Bloggerinnen und Blogger bereits vor der Premiere exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Das Resultat: Eine junge, frische und vor allem unvoreingenommene Berichterstattung.

 

ICH BIN DAS STAATSBALLETT

IMAGEKAMPAGNE

 

Mit dem Beginn der Intendanz von Nacho Duato am Staatsballett Berlin zog auch eine neue Philosophie ins Haus ein. Hatte sein Vorgänger noch auf das Star-System gesetzt, stellte Duato das Ensemble als Ganzes in den Mittelpunkt. Diese neue Haltung galt es sowohl dem Publikum als auch den Tänzerinnen und Tänzern zu vermitteln. Die Image-Kampagne Ich bin das Staatsballett Berlin" widmete jedem der über siebzig Mitglieder der Compagnie ein eigenes Plakat. Die Poster waren im Oktober 2014 in ganz Berlin zu sehen und bestehen als Hall of Fame" in den Räumen des Staatsballetts fort. Ein ergänzender nach Damen und Herren getrennter, die tänzerischen Bewegungen aufnehmender Endlos-Leporello diente einigen begeisterten Fans als Autogramm-Heft. Außerdem weitete eine Merchandising-Linie mit T-Shirts und Turnbeuteln die Kampagne auf das Publikum aus. Der einfache, leicht ins Englische übertragbare Slogan, das Wortspiel mit dem Begriff B-alle-t" und eine für das Ballett ungewöhnliche Ästhetik waren Garanten für eine hohe Identifikation bei Compagnie und Publikum.

 

UN-IVERSE

FREUNDESKREIS

 

Zu jeder Kultureinrichtung gehört auch ein Freundes- und Förderkreis! Das war der Wunsch des Trägers vom neuen Urban Nation Museum. Ziel war die Gründung des Freundeskreises bis zur Eröffnung des Museums im September 2017. Doch ein klassischer" Freundeskreis in Form eines eingetragenen Vereins passte nicht richtig zum Selbstverständnis von Urban Nation. Auch die Gründung einer gGmbH schien nicht zielführend. Für beides fehlte im Übrigen die notwendige Zeit. Die Lösung war die Etablierung eines Clubs als Membership Program nach US-amerikanischem Vorbild. Der Freundeskreis mit dem Namen UN-IVERSE" wurde so unmittelbarer Teil der bereits gemeinnützigen Trägerstruktur des Museums. Auf diese Weise können die Mitglieder eng an das Museum gebunden werden, ohne dass eine neue Entität mit zusätzlichen rechtlichen Erfordernissen gegründet werden musste.

BALLETTBOTSCHAFTER

EHRENAMTSPROGRAMM

 

Bei jeder der zahlreichen Aufführungen am Staatsballett Berlin präsentiert sich der Freundeskreis des Balletts im Foyer mit einem Info-Stand. So weit so gut. Doch beim Wechsel der Intendanz von Vladimir Malakhov zu Nacho Duato waren naturgemäß nicht alle Mitglieder des Freundeskreises über die Neuerungen begeistert. Trotz intensiver kommunikativer Bemühungen drohten die Info-Stände zu Kummer-Ständen zu werden. Frisches Blut musste her! Daher wurden die BallettBotschafter" (kurz: BaBos") gegründet, ein Ehrenamtsprogramm für alle Ballett-Begeisterten zwischen 17 und 27 Jahren. So konnte den alten Hasen" eine neue, weitgehend unbelastete Generation an Ballett-Fans an die Seite gestellt werden. Die aus jung und alt gemischten Tandems verbesserten merklich die Stimmung vor Ort. Durch die bewusste Altersbegrenzung wurde dabei verhindert, dass sich das neue Ehrenamtsprogramm und der kostenpflichtige Freundeskreis gegenseitig kanabalisieren.

 

EINFÜHRUNGSVIDEOS

TANZVERMITTLUNG

 

Mit der Übernahme der Intendanz am Staatsballett Berlin durch Nacho Duato wurde das klassische Repertoire der Compagnie zunehmend durch moderne und zeitgenössische Choreographien ergänzt. Doch wie vermittelt man einem Publikum, das vor allem Handlungsballette gewohnt ist, diese neue" Ästhetik? Neben neu eingeführten Making-Of"-Videos mit ausführlichen Informationen über die Hintergründe zu jeder Premiere wurde zusätzlich das Format der Einführungsvideos entwickelt. In Spots von maximal drei Minuten Länge erhalten die Zuschauer wichtige wissenschaftlich erarbeitete und didaktisch aufbereitete Seh- und Hörhinweise. Inhalt und Form der Videos passen sich so den veränderten Rezeptionsgewohnheiten des Publikums an. Denn die Einführungsvideos sind so „knackig" gestaltet, das sie noch bequem in der S-Bahn auf dem Weg zur Aufführung auf dem Handy angeschaut werden können.

> Zu den Videos (externer Link)

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