• Dr. Christopher Vorwerk

1.4 Wer hat Angst vor Big Data?

Aktualisiert: 23. Okt 2018


Tickets durch Tickets verkaufen – die Hoffnung CRM


Ein Bereich, auf dem nicht nur im Kulturbetrieb schon seit etwas längerer Zeit große digitale Zukunftshoffnungen ruhen, ist der Kartenvertrieb. Das Zauberwort lautet hier Customer-Relationship-Management oder kurz: CRM.


Dahinter steckt die Idee, dass man durch eine geschickte Auswertung des bisherigen Kaufverhaltens einen Kunden zu weiteren Ticketkäufen animieren kann. Vergleichbar ist das mit Online-Händlern wie Amazon, bei dem den Nutzern regelmäßig Kaufempfehlungen unterbreitet werden, frei nach dem Motto „Kunden, die diesen Mixstab gekauft haben, haben auch folgenden Toaster gekauft“.


Dieses Vorgehen macht für Kultureinrichtungen unter zwei Voraussetzungen durchaus Sinn: Erstens muss das Angebot einer Einrichtung so breit sein, dass es einem Nutzer schwer fällt, selbst den Überblick zu behalten. Zum Vergleich: Das Internetkaufhaus Amazon bietet allein in Deutschland 229 Millionen Produkte an. Zweitens müssen genügend Vergleichsdaten im jeweiligen CRM-System vorhanden. An Letzterem hapert es bislang fast jedoch in der Regel.


One-Stop-Shop für Kulturtickets in Kopenhagen


Eine Lösung im Sinne eine Aggregierung von vielen kleinen Datensätzen zu einem „Big-Data-Pool“ im Ticketing wäre ein Zusammenschluss der Kassen von mehreren Kultureinrichtungen einer Stadt. Beispielhaft vorgegangen ist hier die dänische Hauptstadt Kopenhagen, in der alle öffentlichen Bühnen ein gemeinsames Ticketing-System unterhalten. Dort werden heute 96 Prozent aller Karten online verkauft!


Das gemeinsame System hat enorme Synergieeffekte hervorgerufen, wodurch insbesondere personelle Kapazitäten für andere Maßnahmen freigesetzt haben. Durch das gemeinsame Marketing sind außerdem innovative Abonnementstrukturen möglich geworden, bei denen ein Kunde in einem einzelnen Abonnement Aufführungen an unterschiedlichen Bühnen besuchen kann.


Auch ein Modell für Berlin?


Denkt man diesen Ansatz konsequent weiter, könnte zum Beispiel perspektivisch auch ein Kunde, der gerade ein Ballett zur Musik von Johann Sebastian Bach besucht hat, auf ein Konzert mit Werken des berühmten Komponisten in der städtischen Philharmonie aufmerksam gemacht werden. All dies wäre mit nur wenigen Klicks möglich.


Derartige Aspekte wurden in der kurzen und durchaus umstrittenen Ägide des Berliner Staatssekretärs für Kultur Tim Renner zumindest für die Bühnen der Hauptstadt angerissen, sind seit dem Ende seiner kurz und durchaus umstrittenen Amtszeit aber im Sande verlaufen. Noch, so scheint es, haben zu viele Kultureinrichtungen Angst, dass andere Anbieter ihnen die Kundendaten „stehlen“. Doch Angst war schon immer ein schlechter Berater und am Ende verlieren alle: die Kultureinrichtungen und die Besucherinnen und Besucher.

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