• Dr. Christopher Vorwerk

3.2 Audioguide reloaded

Aktualisiert: 23. Okt 2018


Die neue Zukunft des alten Audioguides


Die Idee des Audioguides ist grundsätzlich gut. Schließlich ermöglicht er bei verhältnismäßig geringen Kosten die Vermittlung von zusätzlichen und erklärenden Inhalten zur Kunstrezeption für eine theoretisch unbegrenzte Zahl an Besuchern.


Die Zukunft der Audioguides liegt jedoch längst in den Händen der Smartphones. Denn hier sinken die Kosten nochmals ungemein, da die Besucherinnen und Besucher das technische Endgerät bereits selbst mitbringen und nicht teuer vom Museum angeschafft und verwaltet werden muss.


Zugleich vereinfacht moderne Software die Entwicklung von Zusatzangeboten erheblich. Mussten früher noch Nummern oder QR-Codes neben Ausstellungsexponaten platziert werden, reicht es heute aus, dass gewünschte Werk abzufotografieren. Durch einen Bildabgleich im Hintergrund wird das Kunstwerk automatisch erkannt und vorhandenes Infomaterial ausgegeben. Die Handy-App „Magnus“ bietet diese Form der Kulturvermittlung bereits für Galerien an. Die größere Vision dahinter ist, dass man bald nicht mehr für jede Kultureinrichtung eine eigene App auf sein Smartphone laden muss, sondern dass ein Nutzer nur eine einzige App für alle Museen und Galerien auf seinem Handy hat – und das auf der ganzen Welt.


Der Content, der in einer derartigen Meta-App hinterlegt werden kann, ist durch das Vorhandensein eines Bildschirms vielfältiger als bei einem klassischen Audioguide, der ja doch nur eine Tonspur vorweist, und kann neben Texten, ergänzenden Skizzen oder hochauflösenden Detailaufnahmen auch Videosequenzen beinhalten.


Augmented Reality bietet mehr


Auch die Anwendung von Formen einer Augmented Reality ist hier integrierbar. Das Naturkundemuseum in Berlin hat beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Internetriesen Google eine App entwickelt, mit der durch einen Blick durch das Smartphone die ausgestellten Dinosaurier-Skelette zum Leben erweckt werden. Der dem Menschen ureigene Spiel- und Entdeckertrieb kann hier kongenial genutzt werden, um vor allem auch historische Stätten und Denkmäler zum Leben zu bringen.


Denkt man eine solche Meta-App konsequent weiter, so könnte ein Open Source Angebot dazu führen, dass jeder Nutzer zu einem x-beliebigen Exponat eigenen Content hinzufügen kann, also etwa seine ganz eigenen Assoziationen und Gedanken. So lässt sich ein Museum wirklich öffnen und die oftmals geforderte Multiperspektivität technologiebasiert realisieren. Wichtig ist dabei aber, dass das Mitwirken der Besucher die professionelle Vermittlungs- und Forschungsarbeit einer Einrichtung nicht ersetzt, sondern lediglich ergänzt. Es werden von den Museumsmitarbeitern dann auch neue Moderationsfähigkeiten verlangt.


Chat-Bots als charmante Kulturvermittler


In den vorhandenen Konzepten und Ansätzen noch verhältnismäßig unterbelichtet ist die Entwicklung von dialogischen Formaten. Apps von Kultureinrichtungen sind bislang vor allem darauf ausgerichtet, in verschiedenen medialen Formen – ob per Bild, Text oder Video – Zusatzinformationen aufzubereiten.


Man könnte aber auch einmal versuchen, einen Chatbot für Museen zu entwickeln, der auf die Fragen eines Besuchers eingeht. Dies ist zwar zugegebenermaßen kein echter Dialog, simuliert diesen aber und macht ihn menschlich. Und auch ein realer Dialog zwischen anwesenden Museums- oder auch Theaterbesuchern mithilfe von Chatplattformen ist durchaus denkbar, auf denen sich die Besucherinnen und Besucher im Anschluss an das Kulturerlebnis – oder aber bereits in der Pause – über ihre Eindrücke austauschen.

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