• Dr. Christopher Vorwerk

3.3 Beyond Google

Aktualisiert: 23. Okt 2018


Kulturvermittlung ohne Grenzen


Die bekannte Online-Suchmaschine Google war in Sachen Digitalisierung von Kulturgütern ein Vorreiter. Auch viele deutsche Kultureinrichtungen haben dem Internetgiganten aus dem Silicon Valley ihre Schatzkammern geöffnet. Heute kann jeder einen virtuellen Rundgang durch Museen aus aller Welt machen und dabei Näheres über die Exponate erfahren.


Doch mehr als das Abbild eines einmaligen für diesen Zweck extra hergerichteten Zustands ist dies nicht. Die wenigsten Google Arts Auftritte, so scheint es, werden regelmäßig gepflegt und erneuert. Für Kultureinrichtungen ist eine Teilnahme dennoch attraktiv, ermöglicht sie doch die Erhöhung der Reichweite zu minimalen Kosten. Und für Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht den Weg in diese Einrichtungen finden können, etwa durch Krankheit und Gebrechlichkeit, ist durch die Möglichkeit eines digitalen Besuchs bereits viel gewonnen.


Barrierefreier Zugang zur Kultur mit Hilfe neuer Technologien


Die Digitalisierung bietet auch grundsätzlich große Chancen, weitere Hürden für die Kulturrezeption abzubauen – ganz im Sinne von Hilmar Hoffmann und seinen Zeitgenossen. Bringt das Goolge Arts Project Museen und andere Kulturstätten zu Internetnutzer in aller Welt, ohne dass dieses sich räumlich auch nur einen Zentimeter bewegen müssen, können technologische Fortschritte auch den unmittelbaren Besuch vor Ort für Menschen mit kognitiven Einschränkungen bereichern.


Besonders faszinierend ist hierbei die Technologie des Live Captioning, die mir am Yale Repertory Theater in New Haven, Connecticut, begegnet ist. Beim Live Captioning wird das gesprochene Wort mit minimaler Verzögerung in Übertitel verwandelt. Das Erlebnis von Theater und Oper für Hörgeschädigte lässt sich mit dieser Technik um einiges verbessern, da nun das live gesprochene Wort wiedergegeben wird und nicht ein vorgefertigter, komprimierter Text abgespult wird.


In Deutschland ebenso fast unbekannt sind Theaterangebote für Sehbehinderte. Auch hier greift eine einfache technologische Lösung, bei der ein Knopf im Ohr vermittelt, was sich jenseits des hörbaren Dialogs auf der Bühne (visuell) abspielt. Diese Idee lässt sich wiederum sogar noch für ein breites Publikum weiter ausbauen: So könnte man in einer Theater- oder Opernaufführung den Kommentar des Regisseurs ins Ohr geflüstert bekommen und so Besucher zu einem mehrfachen Aufführungsbesuch animieren.


Oder ganz klassisch: das Programmheft als Gratis-PDF


Aber auch ohne große Investitionen lassen sich mit einfachen technologischen Mitteln Zusatzinformationen vermitteln. Wir alle kennen die guten alten Programmhefte, die man im Theater, der Oper und im Konzert für ein paar Euro erwerben kann. Wer nicht das Bedürfnis hat, sofort während der Vorstellung darin blättern zu müssen, der könnte sich das Programmheft ja auch vor oder nach dem Veranstaltungsbesuch im Internet zur Lektüre herunterladen – als einfache PDF-Datei.


Das macht etwa das Konzerthaus Berlin bereits seit einigen Jahren. Sind die rechtlichen Fragen hierzu gelöst – meist handelt es sich um Tantiemen für Texte und Bilder – lässt sich hier Theater für Theater die Gretchenfragen ob der Bedeutung der Vermittlungsarbeit beantworten: Geht es um Einnahmen oder um Vermittlung?

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