• Dr. Christopher Vorwerk

2.4 Crowdfunding, rette uns!

Aktualisiert: 23. Okt 2018


Wie eine Sängerin online erfolgreich Spenden sammelt


Aber das gab es doch noch etwas Neues! So schien Crowdfunding eine kurze Zeit lang das neue Erfolgsmodell des Fundraisings zu sein. Apologiert unter anderen von der „Godmother“ des Crowdfundings: Amanda Palmer.


Ihre Erfolge in dieser relativ jungen Disziplin des Fundraisings sind in der Tat beeindruckend. So spielte sie 2012 über eine entsprechende Kampagne für die Produktion ihrer CD „Theatre is Evil“ anstatt der angestrebten 100.000 Dollar knapp 1,2 Millionen Dollar ein. Dahinter stehen fast 25.000 Einzelpersonen, die einen finanziellen Beitrag zu dieser eindrucksvollen Gesamtsumme geleistet haben.


Für Kultureinrichtungen: Alter Wein in neuen Schläuchen


Crowdfunding ist unterm Strich jedoch nichts anderes als das Sammeln von vielen kleineren Einzelspenden im Internet. Üblich sind dabei gewisse „Dankeschöns“, die aber nur einen Bruchteil des Wertes der Spende besitzen – ansonsten wäre es ja auch keine Spende – zum Beispiel ein personalisiertes Dankesschreiben oder ein signiertes Plakat. Anbieter wie startnext oder betterplace sind in Deutschland etablierte Internetplattformen, auf denen sich Kulturprojekte mit ihren Kampagnen präsentieren können.


Dementsprechend wurde in der Hochzeit des Hypes um Crowdfunding um das Jahr 2015 herum in deutschen Kultureinrichtungen in Vorstellungsgesprächen oft nach einer Einschätzung des Potentials von Crowdfunding für die einstellende Institution gefragt. Meine Antwort lautete damals immer: Wenn das Haus abbrennt, dann können Sie das machen. Ansonsten lässt man besser die Finger denn davon. Denn wie will man schließlich erklären, dass eine Institution, die mehrere Millionen Zuschuss aus Steuermitteln erhält, nun für einige wenige tausend Euro online "betteln" gehen muss?


Für wen in der Kultur Crowdfunding Sinn macht


Für kleinere Projekte und Organisationen kann Crowdfunding aber ein kluger Weg sein, Einnahmen zu generieren. Besonders erfolgreich sind hier übrigens Musiker, die – wie die Punkmusikerin Amanda Palmer – zum Beispiel Studioaufnahmen oder eine kleine Tournee finanzieren wollen.


Entscheidend für den Erfolg von Crowfunding-Kampagnen ist eine gute Geschichte, die ansprechend erzählt, um was es in dem Projekt inhaltlich genau geht und wofür das Geld gebraucht wird. Ein gutes Portfolio an „Dankeschöns“ rundet die Kampagne zusätzlich ab. Der größte Erfolgsfaktor für Fundraising über Crowdfunding ist aber das eigene Netzwerk. Denn der schönste und einfühlsamste Spenden-Aufruf per Video nützt nichts, wenn man keine digitalen Freunde hat, mit denen man es auch teilen kann.

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